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MODERN SHOTOKAI

Modern Shotokai ist das von P. Kalinowski entwickelte System, das hierzulande vom Shotokai Karate Deutschland e.V. vertreten wird.

Die Traditionslinie, aus der diese moderne Form hervorgegangen ist, geht auf das klassische Shoto-Karate zurück, ist aber orthodox bezüglich dieser Tradition nur, was den ethischen Grundsatz des Ni Sente Nashi angeht (keine Angriffsabsicht und damit auch kein Wettkampf), der ohne Einschränkung auch für das Moderne Shotokai gilt.

Kritisch rekurriert das Moderne Shotokai auf das "traditionelle" Shotokai-Karate, das Shigeru Egami in den 50er-Jahren als Kontrastprogramm zu dem in der JKA sich ausgebildeten harten, auf Wettkampf ausgerichteten Shotokan entwickelt hat. Was den Grundgedanken angeht, die Bewegungen möglichst weich und flüssig zu gestalten und im Kumite primär die Energie des Angreifers für die eigene Verteidigung zu nutzen, stimmen Traditionelles und Modernes Shotokai völlig überein. Die Energie, die die Karate-Bewegung in ihrem Wesen bestimmt, bedarf demnach eines intensiven Studiums. Das Moderne Shotokai geht diesen Weg konsequent weiter, indem die damit verbundene Lehrmethode von Anfang an am Studium des Energieflusses der Bewegung ausgerichtet ist und weniger an äußeren Vorschriften über die Ausführung von "Bewegungstechniken". Ein Endpunkt-zentriertes "Kime" soll zugunsten einer ins "Unendliche" durchströmenden Energie überwunden werden.

Vom Modernen wie vom Traditionellen Shotokai werden Kraft- und Bruchtests sowie Abhärtungsübungen, als zu diesem Zwecke ungeeignet, gleichermaßen abgelehnt.

Deutliche Differenzen zwischen dem orthodox sich auf Shigeru Egami berufenden und dem Modernen Shotokai sind hingegen in den konkreten Ausprägungen einzelner Bewegungen zu konstatieren, was an der grundsätzlich verschiedenen Zugangsweise zum Thema Bewegung liegt. Während das Traditionelle Shotokai dem individuell ausgeprägten Stil von Shigeru Egami folgt, der eng an seine Lebensgeschichte gebunden und in weiten Zügen esoterisch geprägt ist, versucht das Moderne Shotokai, die Bewegungen des Karate in allgemeinen Prinzipien der Körperbewegung zu fundieren.

Jede komplexe Bewegung, sei es Verteidigung oder (Gegen)Angriff, wird als eine Synthese dieser Grundprinzipien verstanden, bei der dann auch Abwägungen getroffen werden müssen, was das Wesensmoment einer Bewegung ausmacht und welches Prinzip demnach vorrangig herauszuarbeiten und zu üben ist. Entscheidend im Modernen Shotokai ist neben der Orientierung an den Grundprinzipien von Bewegung demnach die Systematisierung der Karate-Bewegungen nach Wesensmomenten. Prinzipienlehre und Systematik des Modernen Shotokai stehen also vorrangig esoterischen Momenten der Gewinnung von Einsichten des Traditionellen Shotokai gegenüber. Dies bedeutet wiederum ein Aufbrechen der Begrenzungen des Shotokai als Ryu (Schule) hin zu einer offenen Akademie des Studiums aller Faktoren, die unser Bewegungs- und Verteidigungsvermögen bestimmen. Beim Modernen Shotokai mündet das schließlich darin, daß Erkenntnisse der Grundlagen von Körperbewegung, die generell - auch über das Karate hinaus - für jedes Feld von Körperaktivität idealtypisch gelten, im Zweifel vor Ausprägungen der Tradition gestellt werden, die für uns nicht mehr nachvollziehbar sind oder erwiesenermaßen dem zentralen Anliegen des Modernen Shotokai, der Gesundheitsförderung durch eine der Physiologie des Menschen adäquate Bewegungschulung, zuwiderlaufen.

Ausgehend vom gerade erläuterten Erkenntniszusammenhang durchzieht diese Methode auch durch und durch die Lehre des Modernen Shotokai: Nicht Nachahmung einer anscheinend vollkommenen äußeren Form ist angestrebt, sondern ein auf dem Verstehen der Bewegungsprizipien basierendes Durchdringen der einzelnen Bewegung von ihrer inneren Struktur her. In der primären Vermittlung über den äußeren Anschein würde sich diese innere Struktur zwangsläufig verfälscht widerspiegeln. Denn derjenige, der beginnt, sich mit einer Bewegung zu beschäftigen, den fasziniert - ja der sieht in einer ihm vorgeführten Form - zumeist etwas ganz anderes als derjenige der diese Bewegung zu vermitteln versucht: "Ohne Verstehen sehen wir nichts Wesentliches". Gerade in der Anfangsphase soll denn auch ein Höchstmaß an Verständnis und Einfühlung in den eigenen Körper angesprochen werden, um sich seiner eigenen Körperenergie zu öffnen und sich in den Ursprung dieser Energie einzufühlen.

Die Fundierung der Bewegungs- und Verteidigungsprinzipien geht auf das von P. Kalinowski entwickelte Konzept zurück, das den Titel KarateKunst trägt und sich in die beiden Hauptanliegen "Karate als BewegungsKunst" und "Karate als VerteidigungsKunst" untergliedert. BewegungsKunst und VerteidigungsKunst sind denn auch die beiden Kernbereiche des Modernen Shotokai.

Karate als Kunst bedeutet dabei nicht: schöne Formen in einem realitätsfernen autonomen "Raum der Kunst" zu präsentieren, sondern meint die Verschmelzung mit den Prinzipen in einer individuell durchdrungenen Form, was für den Begründer des Systems wiederum der einzig vorstellbare Weg zur freien Improvisation in einer "realistischen" Verteidigung ist. Im Gegensatz zum Modernen Shotokai ist die KarateKunst als allgemeine Prinzipienlehre nicht an den Rahmen einer bestimmten Traditionslinie und deren Ausformung ("Stil") gebunden, sondern bildet eine Propädeutik ("geistiger Werkzeugkasten") für jede konkrete Form, sich mit dem Phänomen Kampfkunst und Karate auseinanderzusetzen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Moderne Shotokai eine konsequent systematische Übungs- und Lehrmethode des Karate darstellt, in deren Zentrum die Würde, das Kreativitätspotential und nicht zuletzt die Gesundheit des Menschen steht. Aus diesem tiefverwurzelten Anliegen hatte sich das Shotokai als eigenständige Ausrichtung vom klassischen Shoto-Karate schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts durch Shigeru Egami in Japan "abnabeln" können, um dann ein halbes Jahrhundert später durch kritische Rezeption im "Westen" seine systematische Gestalt in Form des Modernen Shotokai zu finden.

 

Die Hauptanliegen des Modernen Shotokai:

Würde: Selbstbestimmung und damit Selbstbehauptung der Person (Notfalls Selbstverteidigung)

Kreativitätspotential: Selbstfindung durch Rückbindung an den eigenen Energieursprung

Gesundheit: Selbsterhaltung und Wohlbefinden

Peter Kalinowski, Begründer des modernen Shotokai-Systems (Modern Shotokai Karate) und des diesem zugrundeliegenden stilübergreifenden Konzepts unter dem Titel KarateKunst.

Als Philosoph und Künstler erforscht er die Prinzipien von Körperbewegung und die damit verbundenen leib-seelischen Prozesse. Sein Studium der Philosophie und die von ihm verfaßten Schriften über das Wesen der Kunst als Prozeß ebnen den Weg zu der von ihm unter den Titeln BewegungsKunst und Körperpräsenz entwickelten Propädeutik der Schulung einer energievollen Körperbewegung.

Mitte der 80er-Jahre gründete er die Initiative KarateKunst e.V. und Anfang der 90er-Jahre das Akademische KarateForum Deutschland e.V.. Danach vertrat er die JKA-Linie um T.Asai als Chief Instructor für Deutschland und gründete schließlich Ende der 90er-Jahre den Shotokai Karate Deutschland e.V.(SKD). All diesen Aktivitäten lag die Intention zugrunde, zur Moderniserung des Karate beizutragen, dies aber gerade basierend auf den ethischen Prinzipien der Tradition, besonders auf dem Grundsatz des Ni Sente Nashi (keine Angriffsabsicht). So lehrte er diesem Grundsatz folgend auch in keiner Phase seines Wirkens auf Wettkampf bezogene Techniken.

Nach Kalinowski sollen die Karate-Bewegungen möglichst weich und
flüssig gestaltet sein und im Kumite primär die Energie des Angreifers
für die eigene Verteidigung genutzt werden. Diesem Grundgedanken
folgend ist das Moderne Shotokai maßgebend am Studium des Energie-
flusses der Bewegung ausgerichtet und weniger an Vorschriften über die
Ausführung von "Bewegungstechniken".
Der grundsätzliche Unterschied zu der im "harten"Shotokan bestimmenden
Auffassung eines Endpunkt-zentrierten "Kime" ist das Konzept einer das
Ziel durchdringenden ungebremsten Energie-Entfaltung, das Kalinowski in
der Verteidigungskonzeption des Modernen Shotokai konsequent weiter-
entwickelt hat.
Seine konventionelle Karate-Ausbildung absolvierte Kalinowski bei maßgebenden Instruktoren der JKA: H.Ochi, K.Abe, A.Isaka, T.Asai und schloß diese mit dem Menyko-Kaiden und der Internationalen JKA-Instructor-Lizenz ab. Nach der endgültigen Abspaltung T.Asais von der JKA und der damit verbundenen Gründung der Japan Karate Shotokai (JKS) begann eine neue Phase der Zusammenarbeit von P.Kalinowski und T.Asai auf inhaltlicher Ebene und zugleich auf organisatorischer zwischen ihren Organisationen SKD und JKS. Im Rahmen dieser Kooperation wurde Kalinowski Chief-Instructor der JKS für Deutschland.

Weitere Informationen, besonders zu aktuellen Shotokai-Veranstaltungen, unter www.shotokai.de.

Kontaktadresse:

Shotokai Karate Deutschland e.V.
Klarastraße 81
79106 Freiburg
Tel/ Fax: 0761/ 27 68 78
kalinowski@gmx.de